Die italienische Geschichte Südtirols ist relativ jung. Erst 1919 kam die Region zu Italien; zuvor war sie über Jahrhunderte Teil der Habsburger Monarchie. Daraus ergibt sich auch der für Italien eher ungewöhnliche Mix an Rebsorten, der unter anderem durch das Engagement von Erzherzog Johann geprägt wurde, der um 1850 Bordeaux-Rebsorten sowie den Riesling einführte.
Historisch spielen Genossenschaften in Südtirol eine große Rolle, da die meisten Weinbergbesitzer aufgrund der gebirgigen Lage nur relativ kleine Parzellen besitzen. Um diesen kleinen Traubenproduzenten ein Einkommen zu sichern, wurde bereits 1893 die erste Kellereigenossenschaft in Andrian gegründet. Die Qualität der Kooperativen in der Region ist außergewöhnlich hoch, und die Preise für Trauben sind deutlich höher als im Süden Italiens.
Mit ca. 5.400 ha zählt Südtirol zu den kleinen Weinregionen Italiens. Durch die Lage zwischen den Alpen und dem Mittelmeer ist das Klima stark kontinental geprägt, mit großen Unterschieden zwischen den Temperaturen am Tag und in der Nacht. Der Weinbau ist geprägt durch die Täler von Eisack und Etsch, durch die kalte Fallwinde aus den Alpen einströmen, sowie durch die Nähe zum Gardasee, die für einen moderaten mediterranen Einfluss sorgt. Die meisten Weinberge liegen auf einer Höhe von 200 m bis 1.000 m über NN. Auch die Böden sind natürlich von der Nähe zu den Alpen geprägt und bieten eine große Vielfalt, die von vulkanischem Porphyr über Urgesteinsböden aus Quarz und Glimmer bis hin zu Kalk- und Dolomitgestein reicht.
Der Weinbau ist stark von Weißwein dominiert: Etwa 60 % Weißwein stehen nur ca. 40 % Rotwein gegenüber. Drei Rebsorten betrachten die Südtiroler als autochthon: Gewürztraminer, Vernatsch und Lagrein. Diese drei stehen dann auch für über 30 % der Gesamtfläche. Auf der anderen Seite schlägt die Gruppe der Burgundersorten mit Weiß-, Grau- und Spätburgunder zusammen mit dem sehr erfolgreichen Sauvignon Blanc mit 38 % zu Buche und stellt damit die zweite wichtige Gruppe für den Weinbau in Südtirol dar. Müller-Thurgau, Silvaner, Riesling, Cabernet Sauvignon und Merlot spielen insgesamt nur eine kleine Rolle.
Die Weinqualität in Südtirol ist durchgängig sehr hoch. Schon vor über 30 Jahren prägten Persönlichkeiten wie Dr. Luis Raifer von Schreckbichl, Hans Terzer von St. Michael-Eppan und Alois Lageder das Qualitätsniveau und legten den Grundstein für den Ruf der Region. Was die Stilistiken betrifft, bietet Südtirol wirklich alles: von frischen und leichten Weinen aus dem Stahltank über komplexe Weine aus großen Holzfässern oder aus dem Barrique bis hin zu Weinen aus der Amphore. Hier ist definitiv für jeden etwas dabei.

Baron Longo
Die in Neumarkt ansässige Familie ist dem Weinbau in Südtirol schon seit dem 18. Jahrhundert verbunden. Allerdings wurden die Trauben bis vor wenigen Jahren an die Genossenschaft abgeliefert. 2012 übernahm Anton Baron Longo das Weingut und brachte 2015 erstmals nach 100 Jahren wieder Weine unter dem Namen der Familie auf den Markt. Anton ist durch sein Studium und Aufenthalte im Ausland bestens ausgebildet. Aber auch die Freundschaften zu Persönlichkeiten wie Clemens Lageder und Emilio Zierock haben ihn in seiner Arbeit sicher geprägt. Seit 2024 ist die gesamte Rebfläche Demeter-zertifiziert und wird biodynamisch bewirtschaftet.




